Mehr Freiheit - weniger Staat

Der Hase und der Igel

"...wir finden im menschlichen Herzen auch einen verderbten Gleichheitstrieb, der bewirkt, daß die Schwachen die Starken zu sich herunterziehen wollen und daß die Menschen die Gleichheit in der Knechtschaft der Ungleichheit in der Freiheit vorziehen." Alexis de Tocqueville

Die Fabel
Die Moral der Fabel
Klassenkampf von oben

Die Fabel

Finden Sie heraus, ob Sie im Grunde Ihres Herzens ein Sozialist oder ein Liberaler sind! Auf welcher Seite stehen Sie in der folgenden Fabel?

Ein Hase und ein Igel trafen sich auf dem Feld. Der Hase, "...der auf seine Weise ein vornehmer Mann war, und grausam hochfahrend dabei...", fragte den Igel: "Wie kommt es denn, daß Du hier schon so früh am Morgen im Felde herumläufst?" - "Ich gehe spazieren", sagte der Igel. Der Hase lachte und bemerkte respektlos "...mich deucht, Du könntest die Beine auch wohl zu besseren Dingen gebrauchen."

Diese Antwort verärgerte den Igel; "...denn alles konnte er vertragen, aber auf seine Beine ließ er nichts kommen, eben weil sie von Natur schief waren." Er forderte den Hasen zu einem Zweikampf auf: "...ich wette, wenn wir einen Wettlauf machen, laufe ich an Dir vorbei." Der Hase nahm die Wette an und wollte sofort mit dem Wettkampf beginnen. Doch der Igel verlangte, erst nach Hause zu gehen, um zu frühstücken, wie er behauptete. In einer halben Stunde sollte der Wettlauf beginnen. Der Hase war einverstanden und der Igel verließ das Feld und dachte: "Der Hase verläßt sich auf seine langen Beine; aber ich will ihn schon kriegen. Er ist zwar ein vornehmer Herr, aber doch nur ein dummer Kerl, und bezahlen soll er doch."

Der Igel besprach zuhause mit seiner Frau einen Plan, wie sie gemeinsam den Hasen betrügen könnten. Sie gingen beide, unbemerkt vom Hasen, zum Feld zurück und der Igel postierte seine Frau an einem Ende des Feldes, auf dem der Wettlauf stattfinden sollte. Er selbst ging an das andere Ende des Feldes, wo der Hase schon auf ihn wartete. Jeder stellte sich in eine Furche und der Hase zählte: "Eins, zwei, drei!" und rannte wie ein Sturmwind den Acker hinunter. Der Igel aber lief nur drei Schritte, dann duckte er sich in seine Furche und blieb sitzen. Als nun der Hase in vollem Lauf am anderen Ende des Feldes ankam, rief ihm die Frau des Igels entgegen: "Ich bin schon hier!" Der Hase war zwar verblüfft, aber da die Frau des Igels genauso aussah wie ihr Mann, ließ sich der Hase täuschen. Er rief: "Nochmal gelaufen, wieder rum!", drehte um und stürmte den Weg zurück, den er gekommen war. Als er am Ausgangspunkt des Laufes ankam, sah er den Igel, der ihm zurief: "Ich bin schon hier!"

Hase rennt

Wieder ließ sich der Hase täuschen und ganz außer sich vor Ärger rief er: "Noch einmal gelaufen, wieder rum!". So lief der Hase noch 73mal und jedesmal, wenn er oben oder unten ankam, sagten der Igel oder seine Frau: "Ich bin schon hier!". Beim 74stenmal aber stürzte der Hase mitten auf dem Feld zur Erde; "...das Blut schoß ihm aus dem Halse, und er blieb tot auf dem Platze." Der Igel aber nahm seinen gewonnen Louisdor, rief seine Frau aus der Furche ab, "...und beide gingen vergnügt miteinander nach Hause."

Hase stoppt

Die Moral der Fabel

Was lehrt uns die obige Fabel? Sie erzählt uns von einem Hasen, der dank seiner besseren Konstitution leistungsfähiger ist als die Igel. Wir haben es also mit einem Starken und mehreren Schwachen zu tun. Die Fabel bekommt ihre Dramatik durch die Weigerung der Schwachen, die Mehrleistung des Starken öffentlich anzuerkennen. Die Schwachen wissen zwar, daß der Starke mehr leistet als sie, aber ihr Neid ist so groß, daß sie zu einer Verschwörung bereit sind, die das Ziel hat, den Starken durch eine Täuschung um den ihm zustehenden Siegespreis zu bringen.

Die Schwachen meiden den direkten Leistungsvergleich und nutzen ihre große Anzahl, um ihrer Lüge Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Der Starke erweist sich im Wettkampf als überlegen, aber im Umgang mit den Schwachen als viel zu naiv. Er wird Opfer seiner eigenen Leichtgläubigkeit. Offensichtlich ist ihm der Charakter der Schwachen so fremd, daß er sich ihren Betrug nicht vorstellen kann.

Die Fabel macht sich lustig über den vertrauensseligen Starken, den man so leicht täuschen kann. Er wäre für ihn besser gewesen, dem Mehrheitsvotum zu mißtrauen und böse Absichten bei den Schwachen in Erwägung zu ziehen. Die Fabel hat kein Happy End. Die Betrüger triumphieren über den ehrlichen Wettkämpfer, die Schwachen siegen dank ihrer größeren Zahl und Skrupellosigkeit über den Starken.

Welches moralische Prinzip vermittelt die Fabel? Die Mehrheit der Schwachen kann die Minderheit der Starken ausbeuten, wenn im Verteilungskampf auf Moral verzichtet und das Mittel der Majorisierung bedenkenlos eingesetzt wird. Die Fabel hat für den unterlegenen Starken kein Mitleid, sondern nur Hohn und Spott. Den Schwachen wird die Botschaft vermittelt, daß sie als Einzelne zwar schwach, in der Gruppe aber stark sind. Die Fabel ist insofern ein Aufruf zur Jagd im Rudel. Wenn die Meute der Schakale genügend groß ist, muß auch ein einzelner Löwe weichen.

Irgendwie kommt uns die obige Geschichte bekannt vor. Es ist uns, als hätten wir ähnliches schon oft erlebt. Könnte die Fabel einen politischen Bezug haben?

"Unter Freiheit verstehe ich den Triumph der Individualität sowohl über die Staatsmacht, die despotisch regieren will, als auch über die Massen, die das Recht für sich in Anspruch nehmen, die Minderheit zu unterdrücken." Benjamin Constant

Bürger Hase

Klassenkampf von oben

Der folgende lehrreiche Fall wird berichtet von Ronald Fraser, Blood of Spain: An Oral History of the Spanish Civil War (New York, Pantheon Books, 1986), Seite 224.

Während des Spanischen Bürgerkriegs hatten die Anarchisten in den von ihnen beherrschten Betrieben den Einheitslohn eingeführt, so auch im "Tivoli"-Opernhaus. Auf dem Spielplan stand ein von der anarchistischen Gewerkschaft organisierter Opernzyklus zu volkstümlichen Preisen. Die Hauptrolle in einer dieser Opern sollte der berühmte Tenor Hipolito Lazaro singen, der jedoch mit dem Einheitslohn nicht einverstanden war und deshalb in Verhandlungen mit der anarchistischen Opernleitung versuchte, für sich eine höhere Entlohnung zu erreichen. Als seine Forderungen abgelehnt wurden, trat er kurz vor Vorstellungsbeginn auf die Bühne und sagte zu den Werktätigen des Opernhauses: "Wir sind jetzt alle gleich und um dies zu beweisen, bekommen wir alle den gleichen Lohn. Ich finde das großartig. Da wir alle gleich sind, werde ich heute die Eintrittskarten am Eingang kontrollieren und einer von Euch kann heraufkommen und die Hauptrolle singen."

Noch an diesem Abend beschlossen die anarchosozialistischen Leiter des Opernhauses eine Änderung der Entlohnung. Hipolito Lazaro und andere Top-Sänger erhielten 750 Pesetas je Auftritt, eine 50-fache Erhöhung gegenüber ihrem bisherigen Lohn von 15 Pesetas je Tag. Auch die Künstler der 2. und 3. Kategorie bekamen große Lohnerhöhungen, gestaffelt nach der Schwierigkeit ihrer Darbietung.

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