"Die geistige Ungleichheit kommt unmittelbar von Gott, und der Mensch wird nicht verhindern können, daß sie sich immer wieder einstellt." Alexis de Tocqueville
Vorbemerkung
Ein Blick in die Geschichte
Die Klassenstruktur als Audruck der menschlichen Natur
Versuche zur Erhöhung der Intelligenz
Die genetische Grundlage der Intelligenz
Wir wollen hier einigen Fragen nachgehen, die auf der vorhergehenden Seite aufgeworfen wurden. Popper wirft Platon vor, daß er der erste Philosoph war, der "in Klassen und Rassen dachte". Ist das eine Schwäche, oder eine Stärke Platons?
Popper sah die Unvereinbarkeit zwischen seinem Ziel einer klassenlosen Gesellschaft und der Aussage: "wirtschaftliche Gleichheit ist unmöglich, da die Menschen einander weder gleichen noch gleich gemacht werden können." Popper reagiert auf diesen Konflikt nicht so, wie man es von einem Wissenschaftler erwarten muß. Statt auf die Suche nach empirischen Beweisen zu gehen, welche die eine oder die andere der widersprüchlichen Auffassungen über die menschliche Natur stützen könnten, erklärt er einfach das betroffene Forschungsgebiet zur Tabuzone. "Wenn tatsächlich etwas Wichtiges in der Lehre vom 'Blut' und der Ungleichheit von Talenten stecken würde; und selbst wenn es der Mühe wert wäre, seine Zeit damit zu vergeuden, diese Unterschiede abzuschätzen (falls es möglich wäre, sie abzuschätzen): warum sollte man diese Unterschiede zur Grundlage größerer Rechte machen und nicht zur Grundlage größerer Pflichten?"
Wir wollen hier den Nachweis führen:
Was konnte Popper zu Beginn der 1940er-Jahre, als er die Offene Gesellschaft schrieb, über die wissenschaftlichen Versuche, "die Ungleichheit von Talenten abzuschätzen", wissen? Läßt es sich rechtfertigen, noch in der 7. Auflage von 1992 am obigen Satz festzuhalten? Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir uns kurz mit der Geschichte der Differentialpsychologie befassen.
Charles Darwin (1809-1882) schuf mit seiner Theorie der natürlichen Selektion die Grundlage der modernen Differentialpsychologie. Darwin erkannte, daß die Individuen einer Population alle genetisch verschieden voneinander sind. Das betrifft nicht nur ihre Physiologie und Anatomie, sondern auch ihre kognitiven Fähigkeiten und Charaktereigenschaften. Diejenigen, die unter den gegebenen Bedingungen besonders erfolgreich agieren, haben größere Überlebens- und Fortpflanzungschancen. Die genetische Ausstattung dieser besser angepassten Individuen wird durch Vererbung an die folgende Generation weitergegeben.
Der Philosoph Herbert Spencer (1820-1903) war der erste Denker, der die Erkenntnisse Darwins auf die Sozialwissenschaften anwandte. Spencer stellte fest, daß die verschiedenen geistigen Fähigkeiten alle einen gemeinsamen Ursprung haben, daß sie Ausdruck einer einheitlichen Intelligenz sind, die ihrerseits eine biologische Grundlage hat. Spencer wies darauf hin, daß kein Mensch vollständig dem anderen gleicht, sondern daß große Unterschiede in den vererbten Persönlichkeitsmerkmalen die menschliche Natur kennzeichnen.
Die erste empirische Untersuchung geistiger Fähigkeiten und ihrer unterschiedlichen Ausprägung beim Menschen wurde von Francis Galton (1822-1911) geleistet, der damit die Differentialpsychologie begründete. Galton führte die Idee ein, daß man menschliche Fähigkeiten objektiv erfassen kann; er entwickelte Tests, um einfache sensorische und psychomotorische Funktionen zu messen; und er schuf viele der statistischen Begriffe und Methoden, die heute noch bei der Feststellung individueller Unterschiede benutzt werden. Galton war der erste, der empirische Methoden zur Erforschung der Vererbbarkeit geistiger Fähigkeiten anwandte. Sein berühmtestes Werk: Hereditary Genius (1869), kann als Vorläufer der Verhaltensgenetik angesehen werden. In seinen Inquiries into Human Faculty and Its Development (1883) beschreibt Galton ein Fülle von Techniken, mit denen erstmals eine objektive Messung grundlegender menschlicher Fähigkeiten möglich wurde. Von 1884 bis 1890 erhob Galton eine Vielzahl von Daten über 9.000 Personen, die er in seinem Anthropometric Laboratory in Londons South Kensington Science Museum untersuchte. Die dabei gesammelten Meßergebnisse waren schon recht genau, doch fehlten Galton noch die geeigneten statistischen Methoden, um sie sinnvoll auszuwerten.
Der erste aussagekräftige und praktisch einsetzbare Intelligenztest wurde von Alfred Binet (1857-1911) im Auftrag der Pariser Schulverwaltung im Jahre 1905 entwickelt, um die Schulreife von Kindern einschätzen zu können. Von Galton übernahm Binet einige bewährte Testinhalte, wie z. B. die Gedächtnisspanne für Zahlen. Er fügte eigene Aufgaben hinzu, die weitaus komplexer waren und deshalb höhere geistige Fähigkeiten erforderten, wie Schlußfolgerung, Beurteilung, Planung, Sprachverständnis, Wissenserwerb. Es stellte sich heraus, daß Binets Tests gut geeignet waren, um geistig zurückgebliebene Kinder zu identifizieren und allgemein den Schulerfolg vorherzusagen. Den Grund für diesen Erfolg konnte Binet nicht angeben, er war in dieser Hinsicht auf intuitive Überlegungen angewiesen.
Erst Charles Spearman (1863-1945) gelang es, eine theoretisch begründete Erklärung für den prognostischen Erfolg dieser Art von Tests zu geben. In 1904 veröffentlichte Spearman den Aufsatz 'General Intelligence' Objectively Determined and Measured, in dem er die statistischen Verfahren vorstellte, die es ermöglichten, in den verschiedenen Testergebnissen einen Faktor aufzuspüren, der ihnen allen gemeinsam ist, nämlich die allgemeine Intelligenz. Spearmans Zwei-Faktoren-Theorie besagt, daß individuelle Unterschiede in den fehlerbereinigten Messungen geistiger Fähigkeiten auf zwei Faktoren zurückzuführen sind: auf einen allgemeinen Faktor g, der allen Meßergebnissen in unterschiedlichem Maße gemeinsam ist, und einen Faktor s, der spezifisch für jede Messung ist und die Besonderheit der Aufgabe widerspiegelt. Dabei gilt, daß g und s nicht miteinander korreliert sind. Spearman war sich bewußt, daß g vorerst nur ein statistisches Konstrukt war, das durch die Faktoranalyse in einer Korrelationsmatrix von Testergebnissen gefunden werden konnte. Aber es gibt viele Hinweise auf eine biologische Grundlage von g, wie wir später noch sehen werden.
Mit seiner Entdeckung von g, der allgemeinen Intelligenz, hatte Spearman die Grundlage der modernen Differentialpsychologie gelegt. Aufbauend auf seine Erkenntnisse wurden viele psychometrische Untersuchungsverfahren entwickelt und in Wirtschaft, Schule und Militär intensiv genutzt. Von 1909 bis 1931 war Spearman Leiter der Abteilung für Psychologie an der Universität London. Die Differentialpsychologie, die menschliche Unterschiede erkennen will, entwickelte sich weltweit zu einem der Hauptgebiete der Psychologie. Es wäre für Karl Popper, der ab 1945 an der London School of Economics unterrichtete, nicht allzu schwierig gewesen, sich darüber zu informieren, woran an der Nachbaruniversität gearbeitet wird. Seine Weigerung, die empirischen Forschungen eines halben Jahrhunderts zu Kenntnis zu nehmen, zeigt ein Ignorantentum, das nur ideologisch begründet sein kann.
Die Klassenstruktur als Audruck der menschlichen Natur
Richard Herrnstein und Charles Murray haben in ihrem Buch The bell curve: Intelligence and class structure in American life (1994) nachgewiesen, daß die Klassenstruktur in den USA die unterschiedliche Verteilung der menschlichen Intelligenz widerspiegelt, die ihrerseits maßgeblich vom Erbgut bestimmt wird. Nicht soziale, ökonomische und kulturelle Faktoren formen den Menschen, sondern umgekehrt, die unter der Kontrolle der Gene befindliche menschliche Natur prägt die Gesellschaft. Selbstverständlich haben außer der geistigen Leistungsfähigkeit noch andere Faktoren Bedeutung bei der Bildung der Sozialstruktur. Dazu zählen vor allem jene Persönlichkeitsmerkmale, die von der politischen Linken verächtlich als Sekundärtugenden bezeichnet werden, wie z. B. Fleiß, Sparsamkeit, Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Ehrlichkeit, Höflichkeit. Herrnstein und Murray konzentrieren sich in ihrer Untersuchung der Klassenbildung auf die Intelligenz, weil über sie mehr empirische Daten vorliegen, als über jede andere psychische Eigenschaft.
Die Daten der Autoren stammen aus der National Longitudinal Study of Youth (N = 11.878, Untersuchungszeitraum: 12 Jahre). Für die meisten der sozialen Variablen in der folgenden Tabelle wurden die Wirkungen von Alter und sozio-ökonomischer Herkunft statistisch kontrolliert, d. h. alle Angehörigen der Stichprobe sind statistisch auf das Durchschnittsalter und den durchschnittlichen sozio-ökonomischen Status der gesamten Studie gesetzt. Dabei ergab sich, daß von allen untersuchten Faktoren der IQ den größten Einfluß auf die Ausprägung der untersuchten sozialen Variablen hat.
Einen "bürgerlichen Lebensstil" (2. Zeile der Tabelle) sehen Herrnstein und Murray als gegeben an, wenn die Untersuchungsobjekte:
| Verhaltensäußerung | Häufigkeit in % bei einem IQ-Niveau von | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| über 125 | 110 - 125 | 90 - 110 | 75 - 90 | unter 75 | |
| Erreichung eines Bachelor-Grades | 75 | 38 | 8 | 1 | 0 |
| Führen eines bürgerlichen Lebensstils | 75 | 63 | 47 | 32 | 22 |
| Unter der offiziellen Armutsgrenze | 1 | 4 | 7 | 14 | 26 |
| Kein High School Abschluß | 0 | 1 | 6 | 26 | 64 |
| Mindestens 1 Monat arbeitslos während Erhebungsjahr (Männer) |
4 | 6 | 8 | 11 | 14 |
| Gesundheitliche Probleme am Arbeitsplatz (Männer) |
13 | 21 | 37 | 45 | 62 |
| Scheidung in den ersten 5 Jahren der Ehe | 12 | 17 | 21 | 26 | 32 |
| Geburt des 1. Kindes unehelich (Frauen) |
4 | 8 | 14 | 22 | 34 |
| Mehr als 5 Jahre Sozialhilfebezug nach Geburt des 1. Kindes (Frauen) |
0 | 2 | 8 | 17 | 31 |
| Sozialhilfebezug nach Geburt des 1. Kindes (Frauen) |
1 | 4 | 12 | 21 | 55 |
| Jemals zu Gefängnisstrafe verurteilt (Männer) |
0,x | 1 | 3 | 6 | 13 |
Die letzte Zeile der obigen Tabelle zeigt, daß Gesetzesverstöße und IQ in einem Zusammenhang stehen. Es ist empirisch gut belegt, daß Gewaltverbrechen von Personen begangen werden, die im Durchschnitt 10 - 12 IQ-Punkte unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung liegen. Die Korrelation zwischen Verbrechen und IQ ist auch innerhalb von Familien zu beobachten. Wenn von mehreren Geschwistern, die unter gleichen sozio-ökonomischen und kulturellen Bedingungen aufgezogen wurden, einer straffällig wird, dann liegt dieser im Durchschnitt 10 IQ-Punkte unter dem IQ der nicht kriminell gewordenen Familienangehörigen.
Herrnstein und Murray zeigen anhand vieler Daten, daß die Intelligenten sich auf bestimmte Berufe konzentrieren und anderswo kaum anzutreffen sind. Es gibt keine versteckten Begabungsreserven mehr, die noch mobilisiert werden könnten. Während in früheren Jahrhunderten Hochbegabte in nahezu allen Berufen und Orten anzutreffen waren, finden sich heute diese Menschen überwiegend in wenigen Arbeitsbereichen und in gesonderten Wohngebieten. In der sich entwickelnden Wissensgesellschaft steigt die Bedeutung der geistigen Fähigkeiten und folglich kommt es zu einer Vertiefung der Klassenspaltung, die von der Politik wohl bekämpft, aber nicht verhindert werden kann. Gerade der Wohlfahrtsstaat, in dem Bildung für alle zugänglich ist, selektiert stärker als vordemokratische Gesellschaftssysteme, in denen jeder seinen festen Platz zugewiesen bekam.
Der Sozialstaat kann an der natürlichen Verteilung der menschlichen Begabungen nichts ändern. Die Sozialhilfe schafft nur eine riesige Klasse von Abhängigen, sie kann aber deren sozio-ökonomischen Status nicht aufheben. Die Ausweitung der höheren Bildung auf immer mehr Schüler und Studenten kann das Begabungspotential eines Landes nicht verändern. Wenn früher 5% eines Jahrgangs die Berechtigung zum Hochschulstudium erwarben, heute aber in größeren Städten bereits 50% der betreffenden Altersgruppe den Abschluß der Sekundarstufe II erreichen, dann ist diese Steigerung der Absolventenzahlen nur möglich, indem man die schulischen Anforderungen senkt. Die längere Verweildauer im Schulsystem führt bei vielen Schülern eher zu Frustrationen, als zu einem höheren Bildungsstand. Keine noch so große pädagogische oder didaktische Anstrengung kann bewirken, daß ein Schüler mehr lernt, als es seine natürlich gegebene Begabung zuläßt. Eine Steigerung der Bildungsausgaben hebt nicht automatisch das Niveau der Bildung.
Versuche zur Erhöhung der Intelligenz
"Es gibt einfach keine guten Belege dafür, daß Faktoren der sozialen Umwelt eine große Wirkung auf den IQ haben, insbesonders in der Jugend und danach, außer in Fällen extremer Mangelsituationen." Arthur Jensen
Die Sozialisten veranlaßt ihr Glaube, daß alle Menschen von Natur aus gleich sind, zu der Annahme, daß die schlechten Schulleistungen von Kindern und Jugendlichen aus der sozialen Unterschicht einfach auf mangelnde Förderung durch die Lehrer zurückzuführen seien. Nach dieser Auffassung muß man nur die Bildungsausgaben erhöhen und mehr Lehrer einstellen, die den schwachen Schülern zusätzlichen Förderunterricht erteilen, um die Kinder aus "bildungsfernen Schichten" auf ein zumindest durchschnittliches Bildungsniveau zu bringen.
Die Erfahrung zeigt, daß dies nicht möglich ist. Die von den Lehrergewerkschaften und der politischen Klasse propagierten Fördermaßnahmen sind in vielen Ländern der Erde immer wieder erprobt worden. Alle diese Experimente haben ein eindeutiges Ergebnis erbracht: die naturgegebenen kognitiven Unterschiede lassen sich durch Umwelteinflüsse nicht beseitigen. Stellvertretend für viele andere derartige Vorhaben dokumentieren wir hier drei besonders gründliche Versuche, die intellektuelle Leistungsfähigkeit durch schulische Maßnahmen zu heben.
Bedingt durch einige Abgänge hatten die Gruppen schließlich die Größe von B = 17 und K = 18. Die Kinder der B-Gruppe wurden ab ihrem 6. Lebensmonat täglich in ein Infant Stimulation Center gebracht, wo sie mehrere Stunden pro Tag alles bekamen, was nach herrschender Ansicht die geistige Entwicklung fördert. Diese Interventionsphase endete mit dem 6. Geburtstag der Kinder. Zu Beginn des Experiments hatte jedes Kind in der B-Gruppe einen persönlichen Tutor, als die Kinder älter wurden teilten sich 2 und später 3 Kinder einen Tutor.
Beim Eintritt in die 1. Klasse der staatlichen Pflichtschule wiesen die beiden Gruppe sehr unterschiedliche IQs auf: B = 119, K = 87. In den folgenden 8 Jahren wurden die Angehörigen beider Gruppen in regelmäßigen Abständen Intelligenztests unterzogen. Dabei stellte sich heraus, daß der Abstand zwischen B und K immer geringer wurde. Am Ende dieses Zeitraums, als die Testpersonen 14 Jahre alt waren, betrugen die IQ-Werte: B = 101, K = 91. Ein Unterschied von 10 IQ-Punkten ist immer noch sehr beachtlich. Aber es stellt sich die Frage, warum B in diesen 8 Jahren 18 IQ-Punkte verloren hat, obwohl in diesem Alter eher ein Zuwachs beim IQ zu erwarten ist (siehe Anstieg bei K)?
Die Erklärung dafür liegt im Training, das die B-Gruppe erhielt. Die dort erworbenen Fähigkeiten waren genau jene, welche in den Tests abgefragt wurden. Die Intelligenztests von Kindern sind für jeden Jahrgang unterschiedlich. Je älter die Kinder der B-Gruppe wurden, desto unähnlicher wurden die Tests jenen Aufgaben, in denen sie trainiert worden waren und desto schlechter fielen die Testergebnisse aus. Die Erfolge der B-Gruppe sind nicht auf eine reale Intelligenzsteigerung zurückzuführen, sondern auf intensives Einpauken bestimmter Testaufgaben. Diese Annahme wird bestätigt durch den ausbleibenden Schulerfolg der B-Gruppe. Bereits am Ende der 1. Klasse gab es keinen signifikanten Unterschied in den schulischen Leistungen von B und K. In den folgenden 3 Jahren bis zum Ende der 4. Klasse waren keine wesentlichen Unterschiede in den Schulnoten von B und K zu beobachten. So entsprach z. B. die Leistung der B-Gruppe in Mathematik jenem Niveau, das von Schülern mit einem IQ von 80 erreicht wird.
Literatur: Arthur Jensen: The g Factor. The Science of Mental Ability. Praeger, Westport, Connecticut, 1998.
Die genetische Grundlage der Intelligenz
"... die Beweislage zeigt, daß die Unterschiede im Niveau von g [allgemeine Intelligenz] nicht psychologisch manipulierbar sind, sondern eher ein biologisches Phänomen darstellen, das unter der Kontrolle sowohl von Genen als auch jener physischen Umwelteinflüsse steht, die sich auf die physiologische und biochemische Tätigkeit des zentralen Nervensystems auswirken, das die Verhaltensäußerungen von g hervorbringt." Arthur Jensen
Die Menschen unterscheiden sich nur in einem Tausendstel ihrer Gene, d. h. zu 99,9% sind wir mit unseren Mitmenschen genetisch identisch. Das scheint auf den ersten Blick ein sehr hoher Grad an Übereinstimmung zu sein. Aber der Schein trügt. Das menschliche Erbgut besteht aus 3 Milliarden DNA-Basenpaaren, 0,1% davon sind immerhin 3 Millionen Basenpaare, die zwischen den Menschen unterschiedlich sind. In der Reihenfolge der vier Basen Adenin, Guanin, Cytosin und Thymin ist der genetische Code verschlüsselt. Jedes Basenpaar kann entscheidende Bedeutung haben. So beruht z. B. die Parkinsonkrankheit auf einer einzigen veränderten Base. Das gleiche gilt für die Sichelzellenanämie und die Hämophilie. Die Änderung einer Base kann bewirken, daß an der menschlichen Hand Zehen statt Finger wachsen, oder daß eine schwere Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit eintritt.
Globale Übereinstimmungswerte sind also wenig aussagekräftig. Das sieht man z. B. daran, daß die menschliche Gensequenz zu 98,7% mit der des Schimpansen gleich ist, und noch zu ca. 85% mit der der Maus. Nun kann wohl niemand die großen Unterschiede zwischen Mensch und Schimpansen leugnen, obwohl die genetische Distanz zwischen uns und dem stammesgeschichtlich am engsten mit uns verwandtem Menschenaffen nur 1,3% beträgt.
Die allgemeine Intelligenz, g, ist nicht nur ein statistisches Konstrukt, das bei der Faktoranalyse von Meßergebnissen sichtbar wird, sondern g hat auch eine physiologische Grundlage im Nervensystem und der Gehirnmasse des Menschen. Es gibt eine Vielzahl physischer Merkmale, die eng mit g korreliert sind, wie z. B.:
Die Forschungsergebnisse der Differentialpsychologie müßten von den Vertretern der Gleichheitslehre widerlegt werden, wenn sie ernst genommen werden wollen. Doch diese Auseinandersetzung findet nicht statt. Die Sozialtechniker beschränken sich auf gelegentliche Polemiken, ohne empirische Beweise zu liefern. Viele Anhänger des Egalitarismus zeigen ihre totalitäre Gesinnung, indem sie zum Verbot einer ganzen Forschungsrichtung aufrufen. Der große Psychologe Hans Eysenck (1916-1997) hat bereits 1975 dazu festgestellt:
"Es wurde früher für selbstverständlich gehalten, daß es für Wissenschaftler nicht nur moralisch richtig war, ihre Entdeckungen zu veröffentlichen, sondern daß es ihre Pflicht sei, dies zu tun. Geheimhaltung, das Zurückhalten von Informationen und die Weigerung Wissen mitzuteilen, wurden als Todsünden wider die wissenschaftliche Ethik betrachtet. Das alles gilt nicht mehr. In den vergangenen Jahren ist die Meinung geäußert worden, in zunehmender Lautstärke, daß Wissenschaftler auf die sozialen Folgen ihrer Entdeckungen und Verlautbarungen Rücksicht zu nehmen hätten; wenn diese Folgen unerwünscht sind, sollte die Forschung im betroffenen Gebiet beendet und das bereits erzielte Ergebnis nicht veröffentlicht werden. Der Themenbereich, für den diese Forderungen am häufigsten erhoben wurden, ist natürlich jener, der sich mit der Vererblichkeit der Intelligenz befaßt." Hans Eysenck
Die Molekulargenetik hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte bei der Entschlüsselung des menschlichen Genoms erzielt. Es ist zu erwarten, daß in nicht allzuferner Zeit die Gene identifiziert werden, die für die geistigen Fähigkeiten des Menschen verantwortlich sind. Bis dahin müssen wir uns mit dem Indizienbeweis begnügen, den die Differentialpsychologie hinsichtlich der Vererblichkeit der Intelligenz geliefert hat. Die vorliegenden Beweise sind allerdings so stark, daß wir mit großer Gewißheit den "biologischen Naturalismus" von Platon als gerechtfertigt ansehen können. Eine Gesellschaft kann nur frei sein, wenn sie die naturgegebene Ungleichheit der Menschen respektiert.
1822 - 1911