Mehr Freiheit - weniger Staat

Die politische Zielsetzung des Christentums

"Im neuen Testament, speziell in den Evangelien, höre ich durchaus nichts 'Göttliches' reden: vielmehr eine indirekte Form der abgründlichsten Verleumdungs- und Vernichtungswut - eine der unehrlichsten Formen des Hasses." Friedrich Nietzsche

Ist das Christentum eine Religion der Nächstenliebe? Zwar heißt es in der Bergpredigt: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.", aber nicht jedermann zählt für die Christen zu den Nächsten. Eine Ausnahme bilden z. B. die Reichen.

Jesus sagt zu einem Mann, der ihn fragt, was er zusätzlich zur Befolgung der allgemeinen Gebote noch tun könne, um in den Himmel zu kommen: "Eins fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach! Er aber wurde traurig über das Wort und ging betrübt hinweg; denn er hatte viele Güter. Und Jesus blickte umher und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Begüterten in das Reich Gottes kommen! Die Jünger aber erstaunten über seine Worte. Da begann Jesus wiederum und sprach zu ihnen: Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr hindurchgeht, als daß ein Reicher in das Reich Gottes kommt." Mark. 10, 21-25.

Es ist bemerkenswert, daß dem Reichen nicht der Vorwurf gemacht werden kann, daß er seinen Reichtum unrechtmäßig erworben habe. Die bloße Tatsache reich zu sein genügt, um den Reichen zum Sünder zu machen. Dieser Affekt gegen alle, die sich über den Durchschnitt erheben, bestimmt das gesamte Neue Testament. Der kommunistische Grundsatz: "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen", galt für alle Mitglieder der neu gegründeten christlichen Sekte:

"Alle Gläubiggewordenen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie unter alle, je nachdem einer es nötig hatte." Apg. 2, 44-45.

"Denn es war auch kein Bedürftiger unter ihnen; alle nämlich, welche Besitzer von Grundstücken oder Häusern waren, veräusserten [sie], brachten den Erlös des Verkauften und legten ihn den Aposteln zu Füssen, und man teilte jedem aus, je nachdem einer es nötig hatte." Apg. 4, 34-35.

Der folgende Abschnitt aus der Apostelgeschichte zeigt, daß die frühen Christen das Privateigentum verfemt hatten und zur Durchsetzung dieses Gebotes Psychoterror und höchstwahrscheinlich auch physischen Terror anwandten:

"Ein Mann aber mit Namen Ananias samt seiner Frau Saphira veräusserte ein Gut und schaffte unter Mitwissen auch der Frau von dem Erlös [etwas] auf die Seite, brachte einen Teil und legte ihn den Aposteln zu Füssen. Petrus aber sprach: Ananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, den heiligen Geist zu belügen und von dem Erlös des Grundstücks [etwas] auf die Seite zu schaffen? Gehörte es nicht auch ferner dir, wenn es [unverkauft] blieb, und war es nach dem Verkauf nicht zu deiner Verfügung? Warum hast du in deinem Herzen diese Tat beschlossen? Du hast nicht vor Menschen, sondern vor Gott gelogen. Als aber Ananias diese Worte hörte, fiel er hin und verschied. Und grosse Furcht kam über alle, die es hörten. Die jüngern Männer nun standen auf, legten ihn zurecht, trugen ihn hinaus und begruben ihn.
Es begab sich aber nach Verlauf von etwa drei Stunden, da trat seine Frau ein, ohne zu wissen, was geschehen war. Petrus nun redete sie an: Sage mir: Habt ihr das Grundstück für so viel verkauft? Sie sagte: Ja, für so viel. Petrus aber [sprach] zu ihr: Warum seid ihr übereingekommen, den Geist des Herrn zu versuchen? Siehe, die Füsse derer, die deinen Mann begraben haben, sind an der Türe, und sie werden dich hinaustragen. Da fiel sie sofort zu seinen Füssen hin und verschied. Als nun die Jünglinge eintraten, fanden sie sie tot; und sie trugen sie hinaus und begruben sie bei ihrem Manne. Und es kam grosse Furcht über die ganze Gemeinde und über alle, die davon hörten."
Apg. 5, 1-11.

Es ist verständlich, daß "große Furcht über die ganze Gemeinde" kam, denn die obige Geschichte ist eine kaum verhüllte Androhung physischer Gewalt gegen alle Abweichler. Die Verfasser des Neuen Testaments, die ihre Texte aus den verschiedensten Quellen bezogen, haben mit der Aufnahme dieser Drohung in ihr "Heiliges Buch" eine ganz klare politische Absicht verfolgt.

Eine weitere Gruppe, die den Haß der Gründer der christlichen Religion auf sich gezogen hatte, waren die Gebildeten. Im Neuen Testament gibt es sehr viele Stellen, in denen gegen sie polemisiert wird. So kritisiert Jesus in Matthäus, Kapitel 23, die Pharisäer und Schriftgelehrten, deren Gerechtigkeit nur vordergründig sei.

Eine zutreffende Beurteilung des Christentums verdanken wir Friedrich Nietzsche, den wir hier zitieren:

"Das Christentum ist auch Abolition der Gesellschaft: es bevorzugt alles von ihr Hinweggestoßene, es wächst heraus aus den Verrufenen und Verurteilten, dem Aussatze jeder Art, den 'Sündern' und Prostituierten, dem dümmsten Volk (den 'Fischern'); es verschmäht die Reichen, die Gelehrten, die Vornehmen, die Tugendhaften, die 'Korrekten'."

"Das Evangelium: die Nachricht, daß den Niedrigen und Armen ein Zugang zum Glück offen steht, - daß man nichts zu tun hat als sich von der Institution, der Tradition, der Bevormundung der oberen Stände loszumachen; insofern ist die Heraufkunft des Christentums nichts weiter als die typische Sozialisten-Lehre."

"Sehen wir, was 'der echte Christ' mit alledem anfängt, was seinem Instinkt sich widerrät: die Beschmutzung und Verdächtigung des Schönen, des Glänzenden, des Reichen, des Stolzen, des Selbstgewissen, des Erkennenden, des Mächtigen - in summa der ganzen Kultur: seine Absicht geht dahin, ihr das gute Gewissen zu nehmen."

"Man soll es dem Christentum nie vergeben, daß es solche Menschen wie Pascal zugrunde gerichtet hat. Man soll nie aufhören, eben dies am Christentum zu bekämpfen, daß es den Willen dazu hat, gerade die stärksten und vornehmsten Seelen zu zerbrechen. Man soll sich nie Frieden geben, solange dies eine noch nicht in Grund und Boden zerstört ist: das Ideal vom Menschen, welches vom Christentum erfunden worden ist."

"Was wir am Christentum bekämpfen? Daß es die Starken zerbrechen will, daß es ihren Mut entmutigen, ihre schlechten Stunden und Müdigkeiten ausnützen, ihre stolze Sicherheit in Unruhe und Gewissensnot verkehren will, daß es die vornehmen Instinkte giftig und krank zu machen versteht, bis sich ihre Kraft, ihr Wille zur Macht rückwärts kehrt, gegen sich selber kehrt, - bis die Starken an den Ausschweifungen der Selbstverachtung und der Selbstmißhandlung zugrunde gehen: jene schauerliche Art des Zugrundegehens, deren berühmtestes Beispiel Pascal abgibt."

Ist das Christentum nicht unentbehrlich, um für Frieden in der Gesellschaft zu sorgen und die Familie als fundamentalen Wert zu verteidigen? Sehen wir uns auch dazu das Neue Testament etwas genauer an:

Jesus sagt: "Meinet nicht, daß ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, einen Menschen mit seinem Vater zu entzweien und eine Tochter mit ihrer Mutter und eine Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter und 'des Menschen Feinde werden die eignen Hausgenossen sein'. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert." Mat. 10, 34-37.

"Als er noch zur Volksmenge redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder draußen und verlangten, mit ihm zu reden. Er aber antwortete und sprach zu dem, der es ihm sagte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und er streckte seine Hand über seine Jünger aus und sprach: Siehe, das sind meine Mutter und meine Brüder!" Mat. 12, 46-49

"Ein andrer aber von den Jüngern sagte zu ihm: Herr, erlaube mir, zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben. Da sagte Jesus zu ihm: Folge mir nach und laß die Toten ihre Toten begraben!" Mat. 8, 21-22.

Jesus sagt: "Es wird aber ein Bruder den andern zum Tode überliefern und ein Vater das Kind, und Kinder werden wider die Eltern auftreten und sie zum Tode bringen." Mat. 10, 21.

Die Gründer der christlichen Sekte stellten ihr Gruppe über das Individuum, das sich selbst aufgeben soll, indem es alle Beziehungen zur Außenwelt abbricht. Dieser totalitäre Kollektivismus strebt die vollständige Herrschaft der "Hirten" über ihre "Herde" an. Eine autonome Zivilgesellschaft, die Voraussetzung jeder individuellen Freiheit, ist damit nicht vereinbar.

Auch zu diesem Aspekt des Christentums hat Friedrich Nietzsche alles Notwendige gesagt:

"Diese wunderliche Gesellschaft, welche hier um diesen Meister der Volks-Verführung sich zusammenfand, gehört eigentlich samt und sonders in einen russischen Roman: alle Nervenkrankheiten geben sich bei ihnen ein Rendezvous."

"Das neue Testament ist das Evangelium einer gänzlich unvornehmen Art Mensch; ihr Anspruch, mehr Wert zu haben, ja allen Wert zu haben, hat in der Tat etwas Empörendes, - auch heute noch".

"Die tiefe Unwürdigkeit, mit der alles Leben außerhalb des christlichen beurteilt wird; es genügt ihnen nicht, ihre eigentlichen Gegner sich gemein zu denken, sie brauchen nichts weniger als eine Gesamtverleumdung von allem, was nicht sie sind ... Mit der Arroganz der Heiligkeit verträgt sich aufs Beste eine niederträchtige und verschmitzte Seele."

"Todfeindschaft der Herde gegen die Rangordnung: ihr Instinkt zugunsten der Gleichmacher (Christus); gegen die starken Einzelnen (les souverains) ist sie feindselig, unbillig, maßlos, unbescheiden, frech, rücksichtslos, feig, verlogen, falsch, unbarmherzig, versteckt, neidisch, rachsüchtig."

"Zum psychologischen Problem des Christentums. - Die treibende Kraft bleibt: das Ressentiment, der Volksaufstand, der Aufstand der Schlechtweggekommenen."

"Jeder wünscht, daß keine andere Lehre und Schätzung der Dinge zur Geltung komme außer einer solchen, bei der er selbst gut wegkommt. Grundtendenz folglich der Schwachen und Mittelmäßigen aller Zeiten, die Stärkeren schwächer zu machen, herunterzuziehen: Hauptmittel das moralische Urteil." Friedrich Nietzsche

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