Biotechnologie in der Landwirtschaft
"Biotechnologie ermöglicht es heute, mehr und qualitativ bessere Lebensmittel zu produzieren, unter anspruchsvollen Bedingungen und mit weniger Chemikalien." C. S. Prakash
Die Errungenschaften der Gentechnik
Die Risiken gentechnischer Veränderungen
Der Kampf der Grünen gegen die Biotechnologie
Die Errungenschaften der Gentechnik
Die moderne Biotechnologie ist in der Lage, die Genstruktur von Pflanzen so zu verändern, daß Menschen, Tiere und Umwelt daraus Nutzen ziehen können. Folgende gentechnische Veränderungen sind möglich:
Erhöhung der Widerstandsfähigkeit
- Herbizidtoleranz. Es werden Gene in die Pflanzen übertragen, welche die Pflanze befähigen, ein bestimmtes Unkrautvernichtungsmittel zu tolerieren. Das ermöglicht den Einsatz von Total-Herbiziden, die rascher abgebaut werden und eine kürzere Verweildauer im Boden aufweisen, als selektiv wirkende Herbizide. Es können nun Spritzungen gegen Unkräuter im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium vorgenommen werden. Das ist vorteilhaft, weil zu einem frühen Zeitpunkt im Jahr, wenn die Kulturpflanzen noch klein sind, die Unkräuter eine bodenbedeckende schützende Schicht bilden, die den Boden vor Erosion durch Wind und Regen schützt und die Entwicklung einer Mikrofauna erlaubt.
- Insektentoleranz. Die häufigste Vorgehensweise ist hierbei ist die Übertragung von Genen des Bacillus thuringiensis, die ein für bestimmte Insekten giftiges Protein (Endotoxin) produzieren. Bt-Toxine werden schon seit mehr als 30 Jahren in der konventionellen Landwirtschaft zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Die herkömmliche Anwendung von Bakterium oder Toxin ist teuer, aufwendig, wenig wirksam und umweltbelastend. Der Einbau der Bt-Toxine in die Pflanze vermeidet diese Nachteile. In den USA wird seit 1996 gentechnisch veränderte Baumwolle angebaut, die ein aus Bacillus thuringiensis, subsp. kurstaki (B.t.k.) stammendes Gen enthält. Diese Baumwollpflanzen produzieren ein Endotoxin, das gezielt gegen die Schädlinge Cotton Bollworm und Tobacco Budworm wirkt. Bereits zwei Jahre nach dem ersten Anbau konnten dadurch 1.000 Tonnen konventioneller Insektizide eingespart werden.
- Virusresistenz. Die Gentechnik bietet erstmals in der Agrargeschichte die Möglichkeit, Viren direkt zu bekämpfen. Bisher war die Bekämpfung von Viren nur indirekt möglich durch die Verbesserung der Kulturhygiene, Fruchtwechsel, Saatgutbehandlung, die vollständige Rodung der Fläche (Weinbau) oder das Spritzen gegen virusübertragende Insekten.
- Pilzresistenz. Einige Pflanzen sind von Natur aus mit eigenen Fungiziden ausgestattet. Die sie produzierenden Gene werden auf andere Pflanzen übertragen, die nun ebenfalls vor Pilzbefall geschützt sind. Das ist bereits bei Weinreben gelungen, deren Widerstandsfähigkeit gegenüber Mehltau erhöht wurde. Bei gentechnisch veränderten Tabakpflanzen konnte die Resistenz gegenüber den Pilzen Aspergillus flavus und Colletotrichum destructivum gesteigert werden. Auch pilzresistente Weizen- und Gerstesorten wurden geschaffen.
Verbesserung der Qualität
- Anreicherung mit Vitaminen. Ein Beispiel dafür ist der gentechnisch veränderte Golden Rice, der Provitamin A im Reiskorn enthält. Die herkömmliche Reispflanze bildet das lebensnotwendige Provitamin A nur in den grünen Bestandteilen der Pflanze, nicht aber im Reiskorn. Dadurch kommt es in Entwicklungsländern bei Kleinkindern, die überwiegend von Reis ernährt werden, zu Mangelerscheinungen wie erhöhte Infektionsanfälligkeit, Wachstumsstörungen, Nachtblindheit bis hin zur Erblindung. Die konventionellen Züchtungen waren nicht in der Lage, dem Reiskorn die Fähigkeit zur Speicherung von Vitamin A zu verleihen. Erst einer Arbeitsgruppe an der ETH Zürich gelang dies mit Hilfe der Gentechnik, indem 2 Gene aus der Osterglocke und ein Gen aus dem Bakterium Erwinia uredovora in Reispflanzen überführt wurden, die nunmehr das Provitamin A im Korn speichern.
- Ausbildung industriell nutzbarer Rohstoffe. Die Gentechnik änderte die Stärkezusammensetzung der Kartoffel. Die dadurch gewonnene Stärke läßt sich für Kleister, Seifen und die Papierherstellung nutzen. Gentechnisch veränderter Raps ermöglicht die Produktion von vielfach ungesättigten Fettsäuren, die in der Wachsherstellung benötigt werden. Seit 1997 wird in den USA eine transgene Sojabohne mit höherem Ölsäuregehalt angebaut. An der Gewinnung von Bioplastik aus Pflanzen wird geforscht. Es handelt sich hierbei um Polyhydroxyfettsäuren, die in biologisch abbaubaren Verpackungen verwendet werden könnten.
- Produktion pharmazeutisch verwertbarer Stoffe. In der Erprobung sind z. B. Impfstoffe gegen Hepatitis B, Cholera und Tollwut. Der Impfstoff kann entweder durch den Verzehr der gentechnisch veränderten Pflanze eingenommen oder später aus der Pflanze gewonnen werden. Auch der Einbau von medizinischen Wirkstoffen ist gelungen. So konnten z. B. Pflanzen geschaffen werden, die anti-coagulante Wirkstoffe enthalten, welche die Blutgerinnung hemmen. Die Biotechnologie macht das alte Sprichwort wahr: "One apple a day keeps the doctor away"
- Entwicklung gesundheitsverträglicher Nährstoffe. Fette, Kohlenhydrate und Proteine werden gentechnisch so verändert, daß sie für Menschen bekömmlicher sind. Es gibt zum Beispiel bereits genetisch modifizierte Sojabohnen, die den Cholesterin-Spiegel um 30% senken können. Kartoffeln wurden so verändert, daß sie beim Frittieren weniger Öl aufnehmen.
- Eliminierung der Allergene. Die Biotechnologie ist in der Lage, die Gene zu inaktivieren oder zu entfernen, die Allergien hervorrufende Substanzen produzieren. Das wurde z. B. bei einer Reissorte erreicht, die ein Eiweiß enthält, auf das viele Japaner allergisch reagieren.
- Verbesserung des Geschmacks. So konnte z. B. der Geschmack von Sojamilch an den von Kuhmilch angenähert werden. Menschen, die Kuhmilch schlecht vertragen, weil sie eine Laktoseallergie haben, können nun ein für sie bekömmlicheres Produkt wählen.
- Erhöhung der Haltbarkeit. Es ist z. B. gelungen, Tomaten gentechnisch so zu ändern, daß sie am Strauch reifen und einen längeren Transport ungekühlt überstehen können. Herkömmliche Tomaten müssen unreif gepflückt und gekühlt transportiert werden. Zu ihrer Nachreifung ist die Begasung mit Ethylen erforderlich.
Steigerung der Erträge
- Anpassung an karge Böden. Man kann Pflanzen gentechnisch so verändern, daß sie die Fähigkeit haben, auf salzhaltigen und sauren Böden zu gedeihen. Dadurch vergrößert sich die insgesamt zur Verfügung stehende Anbaufläche. Naturbelassene Räume können für wildlebende Tiere reserviert werden. So konnten z. B. salztolerante Tomatenpflanzen geschaffen werden, die auf Böden mit hoher Salzkonzentration wachsen, blühen und Früchte ausbilden. Dabei wird das Salz nicht in der Frucht, sondern in den Blättern angereichert.
- Toleranz gegen extreme Witterung. Durch gentechnische Eingriffe läßt sich die Widerstandsfähigkeit von Pflanzen gegen Dürre und Kälte erhöhen.
- Verbesserte Nährstoffverwertung. Bei herkömmlicher Düngung geht die Hälfte der ausgebrachten Nährstoffe verloren, entweder durch Verdunstung oder durch Auswaschung aus dem Boden. Biotechnologisch optimierte Pflanzen können z. B. den Stickstoff besser aufnehmen und verwerten. Durch die Anwendung der Gentechnik lassen sich die Ernteerträge mindestens verdoppeln.
Die Risiken gentechnischer Veränderungen
Auch die Anwendung der Biotechnologie ist mit Risiken verbunden, die allerdings beherrschbar sind. Folgende Gefährdungen sind denkbar:
- Auskreuzen von Genen. Es könnte der Transfer von Genen auf Mitglieder einer verwandten Art (horizontaler Gentransfer) oder einer nicht verwandten Art (vertikaler Gentransfer) stattfinden. Die Möglichkeiten hierfür sind allerdings sehr beschränkt. Viele Kulturpflanzen haben in den Gebieten, in denen sie angebaut werden, keine natürlich vorkommenden Wildtypen, siehe z. B. die Maispflanze oder die Kartoffel. Bei anderen Pflanzen, wie Raps, Luzerne oder Zuckerrübe, gibt es verwandte Wildarten, zu denen ein horizontaler Gentransfer möglich ist. Es wird berichtet, daß ein transgener herbizidtoleranten Raps über Pollenflug die mit dem Raps verwandte Pflanze Rübsen bestäubte. Diese Pflanze tritt nur innerhalb des landwirtschaftlichen Rapsanbaus auf. Eine Auskreuzung des Genes für die Herbizidtoleranz hätte zur Folge, daß ein bestimmtes Herbizid nicht mehr wirksam eingesetzt werden könnte. Man müßte auf ein anderes Herbizid zurückgreifen. Es ist deshalb sinnvoll, niemals eine Toleranz gegen alle denkbaren Herbizide anzustreben. Im Gegensatz zu den Genen, die Resistenzen hervorrufen, stellt die Übertragung qualitätsverbessernder Gene kein Problem dar.
- Einbau von Allergenen. Die Grünen verweisen gerne auf den Fall der gentechnisch veränderten Sojabohne, in die ein Allergie auslösendes Paranuß-Eiweiß eingebaut wurde. Man wollte damals eine methioninreiche Sojabohne schaffen, die als Tierfutter Verwendung finden sollte, um Methioninzusätze im Futter einzusparen. Als man erkannte, daß diese Sojabohne auch in den menschlichen Verzehr geraten könnte, wurde sie auf Allergene geprüft. Dabei entdeckte man das erwähnte Paranuß-Eiweiß. Dieser Fall zeigt, daß die Sicherheitsvorkehrung in der Biotechnologie effizient sind. Im Gegensatz dazu werden Produkte aus konventionellen Züchtungen, bei denen durch künstlich herbeigeführte Mutationen zufällige Veränderungen von Genen erzeugt werden oder durch Kreuzungen unvorhergesehene Genkombinationen entstehen, nicht auf ihr allergenes Risiko getestet.
- Verlust der Artenvielfalt. Es wird behauptet, daß der Monarchfalter und die Florfliege durch den Pollen von Bt-Mais geschädigt werden. Diese Behauptungen sind unbegründet. Die Raupen des Monarchfalters ernähren sind von Milkweed-Pflanzen, die ein nicht gern gesehenes Unkraut in den Maisfeldern darstellen. Deshalb sind Maisfelder kein typischer Lebensraum für Monarchfalter. Im Hauptverbreitungsgebiet der Monarchfalter sind die Milkweed fressende Raupen im Juni anzutreffen, der Mais blüht aber erst Ende Juli/Anfang August. Überschneidungen von Fraßtätigkeit und Pollenflug sind dadurch minimiert, wenn nicht sogar ausgeschlossen.
Die Florfliege ernährt sich von Insekten. Es wurde unterstellt, daß sie durch den Verzehr von Maiszünslerraupen, die Pollen von Bt-Mais aufgenommen haben, dezimiert würde. Das trifft nicht zu, denn Maiszünslerraupen, die Bt-Mais aufnehmen, leben nicht lange genug, um von der Florfliege gefressen zu werden. Außerdem besitzt die Florfliege ein größeres Nahrungsangebot und ist nicht allein auf die Raupen des Maiszünslers angewiesen.
- Ausbildung von Antibiotikaresistenzen. Die Gentechniker verwenden häufig als Selektionsmarker bakterielle Resistenzgene gegen Antibiotika, um zu überprüfen, ob die angestrebte Transformation stattgefunden hat. Theoretisch besteht die Möglichkeit, daß Antibiotikaresistenzen auf Darmbakterien übertragen werden. Auf diese Weise könnten neue resistente Mikroorganismen entstehen. Man verwendet zumeist ein Resistenzgen gegen die Antibiotika Kanamycin und Neomycin, die aber wegen ihrer hohen Toxizität in der Humanmedizin nur noch selten eingesetzt werden. Außerdem finden sich diese Resistenzgene massenweise in natürlich vorkommenden Bakterien. Es wird also nichts Neues in die Natur gebracht. Seltener wird ein bakterielles Ampicillin-Resistenzgen als Selektionsmarker verwendet. Das Antibiotikum Ampicillin wird gegen schwere Infektionen eingesetzt. Eine Übertragung der Ampicillin-Resistenz auf Darmbakterien ist nicht zu befürchten, denn dort befindet es sich bereits. Im Darm eines gesunden Menschen, der mit gentechnisch veränderten Pflanzen nicht in Berührung gekommen ist, enthalten bis zu 27% der Escherichia coli Bakterien dieses Ampicillin-Resistenzgen. Bisher sind keine derartigen Resistenz-Übertragungen beobachtet worden. Da aber in der Theorie die Möglichkeit dazu besteht, werden in der biotechnologischen Forschung alternative Marker getestet. Man kann aber auch die Antibiotikaresistenz-Marker nachträglich entfernen. Ein Beispiel dafür ist der "Golden Rice".
Gentechnisch veränderte Pflanzen sind nicht ohne Risiko. Das trifft aber auch auf Produkte der konventionellen Landwirtschaft zu. Ein Beispiel dafür ist die Kontamination von Maisprodukten mit dem Toxin Fumonisin, die auf den Befall von Maiskolben mit dem Pilz Fusarium moniliforme zurückgeht. Bei Pferden, Schweinen und anderen Tieren hat die Verfütterung von kontaminiertem Mais schon zum Tod ganzer Herden geführt. Bei Ratten löst Fumonisin Leberkrebs aus. Dieses Toxin ist so stabil, daß es sogar die Verarbeitung von Mais zu Cornflakes übersteht. In Deutschland hat man festgestellt, daß die Belastung der Kleinkindernahrung durch dieses Toxin sehr hoch ist. In Großbritannien wurden nach einer Überprüfung von 30 im Handel befindlichen Maisprodukten insgesamt 10 Produkte wegen zu hoher Fumonisingehalte aus dem Verkehr gezogen. Die am höchsten belasteten Produkte stammten aus dem ökologischen Anbau. Der gentechnisch veränderte Bt-Mais enthält hingegen kaum Fumonisin. Dieser Befund ist nicht erstaunlich, denn die Fusarien-Pilze siedeln sich an den Verletzungsstellen des Maiskolbens an, die meistens durch die Fraßtätigkeit der Maiszünsler hervorgerufen werden. Am Bt-Mais finden sich kaum Fraßschäden der Maiszünsler, infolge dessen gibt es auch fast keine Angriffspunkte für die Fusarien-Pilze.
Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften hat 2006 zum gentechnisch verändertem (GV) Mais festgestellt, daß "... der Verzehr von GV-Maisprodukten grundsätzlich risikoärmer [ist] als der Verzehr von herkömmlichen Maisprodukten."
Im selben Gutachten heißt es auch: "... das Allergenitätsrisiko [ist] bei GVO (gentechnisch veränderten Organismen) deutlich geringer einzuschätzen als bei Produkten einer konventionellen Züchtung."
Der Verzehr von GV-Nahrungsmitteln ist keineswegs risikoreicher als der Verzehr herkömmlicher Nahrungsmittel. Im Gegenteil: die GV-Produkte sind strenger geprüft als ihre konventionellen Alternativen. Die Biotechnologie bietet ein hohes Sicherheitsniveau, das die konkurrierenden Produktionsweisen nicht erreichen.
Ein Beispiel dafür liefert der ökologische Landbau, der ebenfalls das Bt-Toxin einsetzt, aber auf eine sehr primitive Weise. Das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis, aus dem die Gentechnik Gene entnommen hat, um sie wegen ihrer insektiziden Wirkung in das Mais-Genom einzusetzen, ist in der Natur weit verbreitet. Wird das Bakterium von Insekten über ihre pflanzliche Nahrung aufgenommen, wirkt Bt genauso insektizid wie im Bt-Mais. Das machen sich die Ökobauern zunutze, indem sie Bakterien-Lösungen auf Kulturpflanzen versprühen, um durch das Toxin der Bakterien Schädlinge zu bekämpfen. Die Bakterien werden in großen Mengen ausgebracht. Man tötet dadurch nicht nur die unerwünschten Insekten, sondern auch viele nützliche Insekten, darunter geschützte Arten. Die Öko-Landwirte tun das, ohne Risikobegleitforschung oder Langzeitmonitoring zu betreiben. Dabei ist unklar, ob sich das Toxin aus den Bakterien im Boden anreichert. Darüber hinaus wird ignoriert, daß die unkontrollierte Freisetzung von riesigen Mengen eines Bakteriums, dessen Rolle im Ackerökosystem fast unbekannt ist, ein sehr großes Risiko darstellt. Bis heute schweigen die Umweltverbände zu diesem Bt-Einsatz im ökologischen Landbau, obwohl niemand das damit verbundene Risiko für Mensch und Umwelt einschätzen kann. Warum fordern die Grünen keine Kennzeichnung der Öko-Produkte, die mit den Bt-Toxin produzierenden Bakterien in Berührung gekommen sind?
Der Kampf der Grünen gegen die Biotechnologie
Die grünen Verbände führen einen fanatischen Kreuzzug gegen die gesamte Biotechnologie. Bei einer parlamentarischen Anhörung im britischen Oberhaus antwortete der Vertreter von Greenpeace auf die Frage, ob irgendwelche neue Erkenntnisse die Ablehnung der Biotechnologie durch seine Organisation beeinflussen könnten: "Es ist eine dauerhafte, endgültige und vollständige Gegnerschaft". Wer so denkt, läßt sich nicht durch wissenschaftliche Beweise beeindrucken. Die Opposition der Grünen gegen die Gentechnik ist Ausdruck einer fundamentalistischen Denkweise, die sich aus irrationalen Quellen speist.
In der Europäischen Union ist die grüne Technikfeindschaft Bestandteil der offiziellen Politik. Die EU-Kommission und das EU-Parlament haben ein dichtes Gestrüpp von Gesetzen und Verordnungen beschlossen, welche die Biotechnologie zwar nicht explizit verbieten, aber in der Praxis es äußerst schwer machen, gentechnisch veränderte Produkte in den Markt einzuführen. Natürlich wurde auch eine neue Bürokratie geschaffen: eine Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit ist für die Zulassung von GV-Lebensmitteln und -Futtermitteln zuständig. Man gönnt sich aber auch eine Informationsstelle zur Prävention biotechnologischer Risiken, die jeden GVO prüft, bevor er in ein anderes Land "verbracht" werden darf.
Die EU-Regeln sind so rigide, daß sie einem Verbot der Einfuhr von GVO in die EU gleichkommen. Gegen diese Handelsbeschränkung haben die USA, Kanada und Argentinien im Jahr 2003 eine Klage bei der Welthandelsorganisation (WTO) eingereicht. Anfang 2006 entschied die WTO, daß die EU ihr Regelwerk zur Biotechnologie nicht so gestalten darf, daß dadurch der internationale Handel behindert wird. Außerdem erklärte die WTO, daß die GVO-Verbote in einzelnen EU-Mitgliedsstaaten eine Verletzung der WTO-Regeln darstellen.
In dieser Situation wußte sich die deutsche politische Klasse zu helfen. Wenn man die Gentechnik nicht direkt verbieten kann, dann kann man zumindest ihre Anwendung so erschweren, daß dies einem faktischen Verbot gleichkommt. In Deutschland erreichte man dieses Ziel durch ein Gesetz, das alle Anwender der Biotechnologie einer sehr weitgehenden Schadenersatzpflicht unterwirft. Damit wird das ökonomische Risiko der Anwendung der Gentechnik so groß, daß niemand es tragen kann. Die Grünen in allen Parteien unterdrücken auf diese Weise eine der größten Innovationen der jüngeren Wissenschaftsgeschichte, ohne ein explizites Verbot aussprechen zu müssen.
Der grüne Kampf gegen die Biotechnologie hat nicht nur ideologische, sondern auch ökonomische Gründe. Ein wesentlicher Teil der grünen Basis ist im ökologischen Landbau tätig, der nach mystischen Vorstellungen betrieben wird. Diese Landwirtschaft, in der noch Kuhhörner mit Innereien gefüllt und bei einem bestimmten Stand des Mondes in der Erde vergraben werden, um diese fruchtbar zu machen, ist niemals mit einer wissenschaftsorientierten biotechnologischen Landwirtschaft wettbewerbsfähig. Der grüne Kampf gegen die Biotechnologie ist das implizite Eingeständnis der Grünen, daß ihnen die grundsätzliche Unterlegenheit ihrer Landbaumethoden bewußt ist.
Für die EU-Bürger bringt die Unterdrückung der Biotechnologie einen Wohlstandsverlust mit sich. Die Nahrungsmittel sind teurer, weniger wohlschmeckend, weniger haltbar, weniger bekömmlich und auch unsicherer, als sie es bei Anwendung der Gentechnik wären. Die EU verliert den Anschluß an die internationale Entwicklung in einer der wichtigsten Hochtechnologien. Allein in Deutschland sind durch die grüne Blockade 10.000 High-Tech Arbeitsplätze in biotechnologischen Unternehmen gefährdet.
Die grüne Ideologie macht nicht nur arm, sie kostet auch Menschenleben. Die völlig übertriebenen und nachweislich unsinnigen Zulassungsverfahren in der EU bewirken, daß der oben erwähnte "Goldene Reis", der Provitamin A im Korn enthält, frühestens 2010 den Armen in den Entwicklungsländern zur Verfügung gestellt werden kann. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit 230 Millionen Kinder von chronischem Vitamin-A-Mangel bedroht. Haben sich die Grünen je gefragt, wieviel Kinder aus armen Familien wegen der durch die grüne Politik erzwungenen verspäteten Auslieferung des GV-Reises unter einem Vitaminmangel leiden, der zu verminderter intellektueller Leistungsfähigkeit, Schwächung des Immunsystems, Zunahme von Infektionskrankheiten, Nachtblindheit und völliger Erblindung führt?
"Ich betrachte die bei der Einführung des Goldenen Reises erzwungene Verzögerung, die unzählige Kinder zum Sterben oder zur Blindheit verdammt, als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit." Lord Dick Taverne
Es ist zu erwarten, daß die Weltbevölkerung von gegenwärtig 6 Milliarden auf 8 Milliarden im Jahr 2050 steigen wird. Dieser Bevölkerungszuwachs wird ausschließlich in den Entwicklungsländern stattfinden, wo heute 800 Millionen Menschen unterernährt sind. Die konventionelle Agrartechnik kann die Erträge nicht mehr nennenswert steigern. Die global vorhandene Ackerbaufläche läßt sich kaum ausweiten. Nur bei umfassender Anwendung der Biotechnologie ist es möglich, die in den nächsten Jahrzehnten neu hinzu kommenden Menschen zu ernähren. Die Nutzung der Gentechnik ist für die Armen dieser Welt eine Frage von Leben oder Tod.
Die grünen Frontorganisationen haben in dieser Frage eine klare Position. Vor die Wahl gestellt zwischen Biotechnologie oder Tod, wählen sie den Tod, allerdings nicht den eigenen, sondern den von Menschen in den Entwicklungsländern. Ein Beispiel dafür liefert die Hungersnot im Jahre 2002 im südlichen Afrika, von der 14 Millionen Menschen betroffen waren. Die USA leisteten in dieser Krisensituation Soforthilfe, indem sie handelsübliche Lebensmittel kostenlos an die betroffenen Länder lieferten. Ein erheblicher Teil der US-Hilfslieferungen bestand aus genetisch veränderten Nahrungsmitteln. Die grünen Verbände und die EU drängten die damalige Regierung Sambias, die Annahme der US-Hilfe zu verweigern, da sie kontaminiert sei. Zum damaligen Zeitpunkt waren in Sambia circa 2,5 Millionen Menschen kurz vor dem Verhungern. Die USA hatten 26.000 Tonnen Bt-Mais in dieses Land geliefert. Es handelte sich um normale US-Handelsware, die von den US-Amerikanern schon seit vielen Jahren konsumiert wird. In Übereinstimmung mit der grünen Ideologie erklärte der Präsident Sambias: "Wir würden lieber hungern als etwas Giftiges anzunehmen". Die US-Hilfslieferungen wurden in Lagerhäusern unter Verschluß gehalten. Die hungernde Bevölkerung versuchte mehrmals, diese Lagerhäuser zu stürmen, aber die grünen Menschenfreunde blieben unbarmherzig.
Das Wall Street Journal schrieb dazu am 17.9.2003 in einem Editorial: "Die grüne Brigade, die ihre politische Gegnerschaft zu GV-Nahrungsmitteln gern mit Pseudowissenschaft stützt, feiert Sambias Sturheit. Dabei ist der Wille von Greenpeace, Friends of the Earth und ähnlichen Organisationen, die Afrikaner im Namen der Ideologie von jemand anderem hungern zu lassen, besonders bemerkenswert."