Mehr Freiheit - weniger Staat

Wald-im-Sterben Panik

"Die Macht der Könige beruht auf der Vernunft und der Narrheit des Volkes, und zwar weitaus mehr auf der Narrheit. Die größte und wichtigste Sache der Welt hat die Schwäche zur Grundlage. Und diese Grundlage ist bewundernswert sicher, denn nichts ist sicherer, als daß das Volk schwach bleiben wird." Blaise Pascal

Der Zustand des Waldes
Die Grünen erfinden das Waldsterben
Der Staat bekämpft ein Phantom
Auf der Suche nach Krankheitsursachen
Die Lehren aus der Panikattacke

Der Zustand des Waldes

Der deutsche Wald erfreute sich in den vergangenen Jahrzehnten einer guten Gesundheit. Das Baumwachstum hat sich im letzten Jahrhundert beschleunigt. Jahresringmessungen zeigen eine Zunahme der Jahresringbreite. Die Wälder wurden dichter und die Holzerträge stiegen. Auf einer Fläche, wo früher zwei Kubikmeter Holz geschlagen wurden, werden heute drei Kubikmeter geerntet. Diese Ertragssteigerung um circa 50% innerhalb eines Jahrhunderts ist vor allem auf die höhere Kohlendioxidmenge zurückzuführen, die sich dank der Nutzung fossiler Ergieträger in der Atmosphäre angesammlt hat.

Die Waldfläche wächst in Deutschland pro Jahr durchschnittlich um 160 Quadratkilometer, das entspricht der Fläche der Stadt Aachen. Etwa 30% der Bodenfläche Deutschlands (357 050 Quadratkilometer) sind mit Wald bedeckt. Auf diesen rund 110.000 Quadratkilometer ist der deutsche Wald heute vielfältiger und robuster, als er es noch vor hundert Jahren war. Die Forstwirtschaft geht zunehmend von Monokulturen ab und setzt auf gesunde Mischwälder. Forstinventuren zeigen einen langfristigen Trend zur Zunahme des Wachstums der Baumstämme.

Die Grünen erfinden das Waldsterben

Angst

Auch im gesündesten Wald finden sich kümmerliche und kranke Bäume. Dafür gibt es viele Ursachen: Bakterien, Viren, Pilze, Insekten, Trockenheit, Stürme und andere widrige Umstände kommen in Frage. Wer erschütternde Bilder von sterbenden Bäumen machen will, kann in jedem Wald lohnende Motive finden.

Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre hatten die deutschen Wälder unter einer ungünstigen Witterung zu leiden. Um die Jahreswende 1978/79 sank in Süddeutschland die Temperatur innerhalb weniger Stunden um fast 30 °C. Hinzu kam ein Reihe trockener Sommer, in denen die Niederschläge erheblich unter dem Durchschnitt lagen. In dieser Situation waren Frost- und Trockenschäden im Wald unausweichlich.

Die aufstrebende Umweltbewegung neuen Typs reagierte auf die Waldschäden, die an und für sich nicht außergewöhnlich waren, mit Hysterie und Panikmache. Im Jahr 1979 erregte der Göttinger Bodenforscher Bernhard Ulrich großes Aufsehen mit der Behauptung, daß der Wald sterbenskrank sei. Er machte Schwefeldioxid und den sauren Regen für die Waldschäden verantwortlich und stellte 1981 die präzise Prognose, daß "die ersten Wälder schon in fünf Jahren sterben" würden. Sie seien nicht mehr zu retten.

Ein weiterer Untergangsprophet war der Münchner Forstbotaniker Peter Schütt. Er glaubte 1981 im Forstamt Sauerlach "neuartige Waldschäden" entdeckt zu haben. Doch diese Baumschäden waren nur für Herrn Schütt unerklärlich. Ein Kollege diagnostizierte diese Schäden bald als altbekannte Pilzerkrankung. Sieben Jahre nach der Entdeckung der angeblich neuartigen Waldschäden bei Sauerlach stellte man fest, daß die damals als krank gekennzeichneten Bäume sich wieder erholt hatten. Doch die grüne Bewegung ließ sich durch solche Einwände nicht mehr aufhalten. Der Begriff der "neuartigen Waldschäden" wurde zur Sammelbezeichnung für alle möglichen realen und fiktiven Baumschäden, für die man die kapitalistische Industriegesellschaft verantwortlich machte.

Die Grünen erwiesen sich als sehr kreativ in der Suche nach den Ursachen des "Waldsterbens". Ein Professor Reichelt sah 1984 im Kernkraftwerk Würgassen die Ursache der Waldvernichtung und fand für seine lächerliche Behauptung viel Unterstützung in den Medien. Die SPD verkündete 1988: "Waldsterben: Kfz-Abgase sind die Hauptsünder". Die Bundestagsfraktion der Grünen brachte 1990 folgende Kleine Anfrage in das Parlament ein: "Zu den Problemen von Waldsterben … durch Einwirkung von Richtfunk und Radarwellen".

Günter Grass zeigte seine schriftstellerische Größe durch die folgenden bewegenden Worte: "Ob Sie in den Wald gehen oder nach Kalkutta, überall zeigt sich das Elend der Schöpfung. An Ort und Stelle kann man sich nichts mehr vormachen, fällt einem nichts literarisch Wegführendes ein, wird man stumm."

Ohne die Unterstützung durch ökologistisch engagierte Journalisten hätte die grüne Bewegung ihre Waldsterbenskampagne nicht durchführen können. Hier einige Belege für den Mangel an kritischem Denken und eigenständigem Urteil, der bei vielen Medienschaffenden anzutreffen ist:

Der Staat bekämpft ein Phantom

Die politische Klasse und die Staatsbürokratie sahen in der Waldsterbenspanik eine willkommene Gelegenheit, ihren Aufgabenbereich auszuweiten. Die Bundesregierung verkündete ein Sofortprogramm "Rettet den Wald" und startete ein großes Programm "Waldschadensforschung". Man definierte "Waldschaden" so, daß die von vornherein feststehende Diagnose "Waldsterben" bestätigt wurde.

Nach regierungsamtlicher Festlegung mißt man Waldschäden anhand von Kronendichte und Blattvergilbung. Je nachdem, wieviel Laub oder Nadeln ein Baum aufweist, wird er Schadstufen zugeordnet. Jeder Fachmann weiß, daß es unsinnig ist, die Verluste an Nadeln oder Blättern zum Maßstab von Schädigungen zu machen. Bei ungünstiger Witterung, Bodenbeschaffenheit oder Lage können Laubbäume bis zu 75% weniger Blätter tragen als Bäume der gleichen Art unter günstigeren Bedingungen, ohne deshalb todkrank zu sein. Auch bei Nadelbäumen ist dieser Spielraum groß: sie bilden bis zu 66% weniger Nadeln, wenn sie unter Trockenheit leiden oder auf einem nährstoffarmen Boden stehen.

In den staatlichen Waldschadensberichten gilt ein Baum bereits als geschädigt, wenn er weniger als 25% eines angenommenen Maximums von Blättern oder Nadeln aufweist. Diese Blatt-Nadel-Verlust-Methode ist wissenschaftlich wertlos, denn

Der erste staatliche Waldschadensbericht erschien 1984 und kam wegen der oberflächlichen, ungenauen und mehrdeutigen Blatt-Nadel-Verlust-Methode zu dem Ergebnis, daß nur 44% des deutschen Waldes ohne Schäden seien. Dieser bedrohliche Befund lieferte der grünen Bewegung das gewünschte Agitationsmaterial. Als Forstwissenschaftler das fehlerhafte Erhebungsverfahren kritisierten und eine Abkehr vom Ritual der jährlichen Waldschadensberichte vorschlugen, reagierten die Grünen und ihre Helfer in den Medien sehr heftig. Den Kritikern wurde vorgeworfen, "den sterbenden Wald gesundlügen" zu wollen.

Im Februar 1993 erklärte eine vom Bundesforschungsministerium berufene Expertengruppe, "daß ein Absterben ganzer Wälder in Zukunft nicht mehr zu befürchten" sei. Dieses vorsichtige Abrücken vom Mythos des Waldsterbens wurde von den deutschen Medienschaffenden weitgehend totgeschwiegen. Nur vier der 54 auflagenstärksten Tageszeitungen brachten diese Nachricht, die übrigen 50 weigerten sich, die Entwarnung der Wissenschaftler an ihre Leser weiterzugeben. Der Spiegel erfand in seiner Berichterstattung über das Expertenstatement sogar den neuen Begriff "das zweite Waldsterben", eine drastische Verfälschung der Expertenaussage.

Im August 1996 präsentierte das Europäische Forstinstitut (EFI) eine Studie über Wachstumstrends der Wälder Europas. Daraus ging hervor, daß sich das Wachstum der Wälder in Europa überall beschleunigt hatte. Die grün engagierten Journalisten erkannten sofort, daß nicht sein kann, was nicht sein darf. Wenn die Wälder rascher wachsen, dann sterben sie offenbar nicht. Diese Leugnung des Waldsterbens wurde streng geahndet. Die Süddeutsche Zeitung und die Stuttgarter Zeitung eröffneten am 2. September 1996 den Angriff auf die Abweichler vom rechten Glauben: es handle sich um eine Auftragsarbeit für die Industrie des "in Finnland beheimateten" EFI. Es gibt deutsche Journalisten, die sich nicht von irgendwelchen Ausländern ihr Sterben des deutschen Waldes wegnehmen lassen. Im Bonner Generalanzeiger wurde erklärt, daß die rasch wachsenden Bäume in Wirklichkeit sterbenskrank seien. Diese Behauptung wurde von vielen Presseorganen übernommen. Der Spiegel benutzte in diesem Zusammenhang den Begriff "krankhaftes Wachstum".

Im Herbst 1996 empfahlen 18 führende Forstexperten einstimmig, das bestehende Verfahren der Waldzustandserfassung wegen Unbrauchbarkeit abzuschaffen. Als das Bundesforschungsministerium darauf reagierte, und eine Neufestsetzung der grob falschen Schadstufen vorschlug, griffen die grünen Journalisten wieder zur Keule. Der Ministeriumsvorschlag war zwar völlig unzureichend, aber für die Rechtgläubigen trotzdem ein Angriff auf die heilige Lehre. Die taz titelte: "Waldsterben verboten!", der Spiegel empörte sich: "Forschungsminister ... will den Wald per Dekret für gesund erklären".

Dank des grünen Engagements blieb das Phantom des Waldsterbens der Politik erhalten. Von 1982 bis 1998 gaben der Bund und die Länder für die Waldschadensforschung 367 Millionen Mark aus. Die Waldökosystemforschung kostete dem Staat weitere 180 Millionen Mark. Die seit 1984 von den Ländern durchgeführte und finanzierte Waldzustandserhebung gibt es auch heute noch, obwohl sie wissenschaftlich diskreditiert und praktisch wertlos ist. Nach dem staatlichen Waldzustandsbericht von 2004 geht es dem deutschen Wald schlechter als jemals zuvor: 31% des Waldes seien schwer geschädigt und nur 28% schadensfrei.

Auf der Suche nach Krankheitsursachen

Die Politik zur Rettung des Waldes hat sich eine unlösbare Aufgabe gestellt: man kann nicht die Gründe für etwas finden, das es gar nicht gibt. Die tatsächlich vorhandenen Baumschäden sind meistens eine Folge von Witterungsstress durch Trockenheit und Kälte. Da man damit aber kein großräumiges Waldsterben begründen kann, mußte man neue tödliche Bedrohungen erfinden.

Am häufigsten wurde der saure Regen genannt, entstanden aus den schwefeldioxidhaltigen Abgasen der Kohlekraftwerke. Es ist bekannt, daß Schwefeldioxid in sehr hoher Konzentration Bäume zum Absterben bringt, wie man z. B. im Erzgebirge in den Gebieten sehen konnte, die direkt den ungefilterten Rauchgasen aus veralteten tschechischen Braunkohlekraftwerken ausgesetzt waren. Aber die in Deutschland gültigen Grenzwerte für Schwefeldioxid liegen weit unter der Konzentration, die für Bäume gefährlich wäre. Geringe Schwefelmengen scheinen eher eine positive Wirkung zu haben. In Freilandversuchen stellte sich heraus, daß Fichten auf künstlich übersäuerten Böden besser gedeihen als auf künstlich gekalkten Flächen.

Die Reduktion der Schwefedioxid-Emissionen erfolgte lange vor dem Auftreten der Waldsterbenspanik. Bereits 1971 wurden im 1.Umweltprogramm der Bundesregierung entsprechende Aktionen beschlossen. Die Stockholmer UN-Umweltkonferenz von 1972 führte zu internationalen Verträgen mit weitreichenden Maßnahmen. In der BRD trat das Bundesimmissionsschutzgesetz mit seinen Verordnungen und Verwaltungsvorschriften wie der TA Luft in Kraft. Dank der Fortschritte in der Filterungstechnik wurde das angestrebte Ziel bald erreicht. Die Schwefeldioxid-Emissionen hatten 1973 ihr Maximum mit 3,85 Millionen Tonnen. Danach sanken sie drastisch, und zwar innerhalb von 10 Jahren um 70%. Als zu Beginn der 1980er Jahre die Waldsterbenspanik einsetzte, hatte der deutsche Wald schon längst keine Bedrohung durch sauren Regen mehr zu befürchten.

Einen weiteren Waldvernichter glauben die Grünen in den Stickoxiden aus Autoabgasen gefunden zu haben. So stand z. B. in der taz die erschütternde Erkenntnis: "Jeder weiß, daß Autofahren auch ein Synonym für Bäumetöten ist". Diese Behauptung hat für die Grünen den Vorzug, daß man damit auch einen Propagandakrieg gegen das verhaßte Auto führen kann. Sachlich ist diese These purer Unsinn, denn Stickoxide sind, wie andere Stickstoffverbindungen auch, ein Pflanzennährstoff, der Bäume nicht schädigt, sondern deren Wachstum beschleunigt. Der Autoverkehr liefert den Wäldern eine kostenlose Düngung in Form der Stickoxide. Das ist einer der Gründe für das verstärkte Waldwachstum der letzten Jahrzehnte.

Auch Ozon soll nach Meinung der Grünen eine wichtige Rolle bei der Zerstörung des deutschen Waldes spielen. Diese Behauptung wurde ebenfalls empirisch widerlegt. Begasung mit Ozon führte im Labor nicht zu Schäden an Nadelbäumen. Weiße Punkte auf Laubblättern, die als Ozonschäden gedeutet wurden, stellten sich bei näherer Untersuchung als Einstichstellen von Kleinzikaden heraus.

Die Lehren aus der Panikattacke

Der von den Grünen prophezeite Tod des deutschen Waldes ist nicht eingetreten. Es gab kein Waldsterben, wohl aber ein Sterben der Glaubwürdigkeit jener, die die Waldsterbenspanik betrieben haben.

Eine entscheidende Rolle in der Panikattacke spielten Wissenschaftler, die im Drang nach Medienaufmerksamkeit und Forschungsgeldern die Regeln wissenschaftlicher Stellungnahmen mißachteten.

"Leider sind einzelne Wissenschaftler der Versuchung erlegen, sich medienwirksam mit dramatisch negativen Aussagen nach vorn zu spielen. Sie wurden mit größter öffentlicher Aufmerksamkeit belohnt, und einige von ihnen übernahmen bald eine Rolle als ständig wachsame Sofortkritiker anders denkender Kollegen. Der Schaden für die Wissenschaft ist erheblich. Denn wer als Bürger die insbesondere von Wissenschaftlern angefachte und jahrelang geschürte Panik erlebt hat und den allmählichen Zusammenbruch der Potemkinschen Kulissen verfolgt, der glaubt Forschern nichts mehr. Die Glaubwürdigkeitsprobleme der Klimaforscher heute haben hier ihre Wurzeln." Günter Keil

Ohne das Kartell grün gesinnter Schreibtischtäter in den Medien hätte es die Waldsterbenspanik nicht gegeben. Der Spiegel behauptete am 14.2.1983, daß im deutschen Wald ein "ökologisches Hiroshima" stattfinde. Die Waldsterbenskampagne stellt eines der schändlichsten Kapitel in der Geschichte des deutschen Journalismus dar. Circa 90% der Journalisten haben sich an der Erzeugung der Psychose beteiligt, einige wenige als Vorbeter und Einpeitscher, der Rest als Mitläufer. Daß es auch anders geht, haben während der gesamten Panikzeit einzelne Medienschaffende gezeigt, die dem Zug der Lemminge nicht folgten, sondern kritisch über die grünen Mythen informierten.

Über die Glaubwürdigkeit der grünen Aktivisten in den Umweltverbänden ist nicht viel zu sagen, dann an diese Gruppe werden keine hohen Anforderungen gestellt. Jedermann weiß, daß die Spendengelder nur fließen, wenn die jeweilige Gruppe im heroischen Kampf gegen irgendwelche Katastrophen steht. Es wäre naiv, von den Aktivisten das Eingeständnis eigener Fehler oder gar Selbstkritik zu erwarten. Heilsbringende Gutmenschen irren sich nie.

Die politische Klasse zeigt, daß sie selbstgestellte Aufgaben niemals aufgibt, auch dann nicht, wenn diese keine reale Grundlage haben. Die Parteien halten nach wie vor am Waldsterben fest. Noch im Mai 2000 stellten die Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD gleichlautend fest, "daß es keinen Grund zur Entwarnung gibt". Im März 2001 erklärte der zuständige Landwirtschafts-Staatssekretär im Bundestag, "daß wir zusätzliche Strategien gegen das Waldsterben entwickeln". Folgerichtig forderten im Januar 2002 die Bundestagsfraktionen der SPD und der Grünen, die Anstrengungen zur Reduktion und Beseitigung der "neuartigen Waldschäden" zu verstärken. Wenn es kein Problem gibt, das die Existenz der politischen Klasse rechtfertigen könnte, dann schafft sie sich eben ein solches.

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